Armenien:
Erfindung einer Verschwoerungstheorie
Nach den beiden Balkankriegen 1912/13,
die dem Ersten Weltkrieg vorangingen, wurde im Vertrag von Bukarest das
Instrument vom Bevölkerungsausgleich erdacht. Hunderttausende von Bulgaren,
Griechen, Türken und Albanern hatten ihre Heimat zu verlassen. Es waren
völkerrechtlich legitimierte ethnische Säuberungen, in denen Tausende
ihr Leben ließen. Von hier war es nur noch ein kleiner Schritt, zwei Jahre
später die Armenier in den Osten zu deportieren - oder gleich umzubringen.
Es finden sich in den von Wolfgang Gust edierten "Dokumenten aus
dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes" zum "Völkermord
an den Armeniern 1915/16" (zu Klampen, Springe. 675 S., 39,80 Euro) zahllose
Belege, wie genau die Reichsregierung über die Untaten seines Kriegspartners
informiert war.Oberleutnant Böttrich, Chef des Verkehrswesens im türkischen
Generalstab, unterschrieb Deportationsbefehle für armenische Arbeiter.
Bei General Bonsart von Schellendorf, Generalstabschef des türkischen
Heeres, liefen "alle Fäden zusammen", so ein deutscher Generalstäbler.
Armenien:
Von Lepsius bis Heute
Im Frühjahr 1922 zieht Enver Pascha
mit seinen Truppen in Duschanbe ein. Er kontrolliert jetzt fast das gesamte
Gebiet des ehemaligen Emirats von Buchara, was in etwa dem Gebiet des heutigen
Tadschikistan entspricht, und ist für kurze Zeit Führer eines unabhängigen
»turanischen« Staats in Mittelasien. Doch im Juni 1922 muss er seine
erste Niederlage hinnehmen, als ihm eine Übermacht der Roten Armee unter
General Kakurin empfindlich zusetzt und ihn zwingt, im Bergland des Pamir
Zuflucht zu suchen.
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